das ich und das du

Das Ich und das Du. Verknüpft mit vielen Vorstellungen, Ideen und Geschichten. Antrainierte Haltungsweisen, um uns abzugrenzen. Von den anderen, vom Ganzen. In der spirituellen Welt viel diskutiert. Dabei ist es ganz einfach. Wenn du es auf der tiefsten Ebene betrachtest, siehst du, dass alles Leere ist. Und du in dieser Leere dein wahres Selbst findest.

ICH

Letzthin machte ich mal wieder die Erfahrung, dass sich jemand in einer Diskussion brüskiert fühlte. Ein „spiritueller“ Mensch. Überzeugt von seiner Idee. Ganz klar wurde mir signalisiert, geh weg, du kommst mir zu nahe. Es hätte in einen Konflikt ausarten können, wenn ich weiter nachgebohrt hätte.

Warum sind viele Menschen so defensiv? Wenn wir den Dingen wirklich auf den Grund gehen, sehen wir, dass es nichts zu verlieren gibt. Also gibt es auch nichts zu verteidigen. Wir hängen uns an unser Ich, weil es praktisch und einfach ist. Aber was ist denn das Ich wirklich?

Wenn wir es auf einer Ebene betrachten, erkennen wir, dass wir alle göttlich sind.
Betrachten wir es auf einer tieferen Ebene, sehen wir, dass wir alle Geist sind.
Auf einer noch tieferen Ebene nehmen wir wahr, dass wir alle Tao sind.
Gehen wir in die tiefste Tiefe, bemerken wir, dass Tao die Leere ist.

Worin liegt nun der Sinn, die Leere zu verteidigen?

DU

Als du geboren wurdest, warst du nackt. Deine Eltern gaben dir einen Namen, weil du noch keinen hattest. Dann nahm die Sozialisierung ihren Lauf. Name, Akten, Adressen, Schulen, Leistungen, Karrieren. Es war ein notwendiges Übel. Eins, das wir immer weiterführen. Im zu Recht gefürchteten Small Talk kannst du diese Haltung erkennen. „Was ist dein Name?“ „Was arbeitest du?“ „Bist du verheiratet?“ „Kinder?“ „Wie alt bist du?“ „Woher kommst du?“

Tao zu folgen, bedeutet das Gegenteil all dieser Fragen.

Du möchtest wieder deine ursprüngliche Natur erkennen. Diejenige, die du bei deiner Geburt hattest. Dann möchtest du noch weiter zurück gehen und die Natur erkennen, die du vor deiner Geburt hattest.

In der Öffentlichkeit gehst du deinen Verpflichtungen nach. Aber in deinen vier Wänden, legst du das alles beiseite und versuchst zur Quelle zurück zu kehren. In dieser Rückkehr hast du keinen Namen. Nichts, das dir zugeschrieben wird. Du bist, was du bist. Und nicht mehr. Aber wer du dann bist: Das ist wahr.

Beitragsbild:© Isabelle Blum

Inspiriert von Everyday Tao, Living with Balance and Harmony, Deng Ming-Dao