atmen

Kommt dir das bekannt vor? Du atmest zwar, aber deine Energie bleibt auf der Strecke? Du bist gestresst und japst vor dich hin? Dein Atem funktioniert, aber irgendwie fehlt dir der Drive? Denn wie wir in stressigen oder emotionalen Situationen atmen, hat einen Einfluss auf unser Befinden. Dabei ist es gar nicht schwer, energievoll zu atmen. Mit einfachen Übungen kannst du deine tiefe Atmung wieder aktivieren. Damit tust du dir und deiner Gesundheit einen grossen Gefallen.

DIE AUTOMATISCHE ATMUNG LÄUFT MEIST ZU FLACH AB

Denkst du über deine Atmung nach? Wahrscheinlich nicht, denn du atmest ja automatisch. Dank deinem Atemzentrum im Gehirn, das unermüdlich für dich arbeitet. Es sorgt dafür, dass du immerfort mit Sauerstoff versorgt bist und Kohlendioxid abgibst. Es spürt, ob du gestresst oder entspannt bist. Ob du schläfst oder wach bist. Ob du sitzt oder dem Bus hinterher rennst. Entsprechend kümmert sich das Atemzentrum um dich und passt die Atemfrequenz und das Atemvolumen stets der Situation an.

Hast du auch schon erlebt, dass Stress und Angst dir förmlich „die Luft abschnürt“ oder dir „vor Schreck der Atem stehen bleibt“? Oder du unter Stress oder wenn du Angst hast, schneller atmest? Oft hilft es dann tief einzuatmen, um sich wieder zu entspannen. Der Zusammenhang zwischen emotionalem Befinden und der Atmung wurde bereits in zahlreichen Studien untersucht: Wer ganz bewusst tief und langsam einatmet, kann sich in stressigen Situationen selbst beruhigen, wie Dr. Martin Paulus von der University of California 2013 im Journal Depression and Anxiety bestätigt.

Doch viele Leute atmen schlicht falsch, wie Wissenschaftler der Harvard Medical School in diesem Blogpost erklären: „Für viele von uns ist tiefes Einatmen unnatürlich. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen hat das vorherrschende Körperbild in unserer Kultur einen negativen Einfluss auf die Atmung. Ein flacher Bauch wird als attraktiv wahrgenommen, deswegen neigen Frauen (und auch Männer) dazu ihre Bauchmuskeln einzuziehen.“ Deswegen sei es für die meisten Leute normal flach zu atmen.

Andauernder Stress und Ängste führen mit der Zeit zu mehr Muskelanspannung und der Körper nimmt weniger Schmerzreize wahr. Das ist in Ausnahmesituationen zwar hilfreich. Aber im normalen Alltag gerät der Körper auf Dauer in eine erschöpfende Mangelsituation. Wenn du zudem immer nur flach atmest, hebt sich lediglich der Brustkorb mit Hilfe der Rippenmuskulatur. Bei einer solchen Atmung nimmst du viel weniger Sauerstoff auf. Eine mangelnde Sauerstoffversorgung kann sich in Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit, Kreislaufstörungen und Schlafstörungen zeigen. Auch zu enge Kleidung, verkrampftes Sitzen, eine falsche Körperhaltung und Bewegungsmangel behindern die ausreichende Sauerstoffaufnahme.

WIE DU WIEDER WIE EIN KIND ATMEST

Achte dich mal. Kinder atmen tief in den Bauch und ihr Bauch ist meist gerundet. „Wie ein Kind atmen“ bedeutet, dass die Atemluft ohne Anstrengung durch den Körper fliesst. Der Atem strömt bis in den Bauch und das Becken und ist auch im Rücken und Nierenbereich spürbar. Alles ist rund und voller Atemluft, sprich Energie.

Bei dieser tiefen Atmung bringst du nämlich nicht nur Luft in die Lunge, sondern bewegst auch das Zwerchfell. Das ist der wichtigste Muskel für die tiefe Atembewegung. Beim Einatmen schiebt es sich in den Bauchraum hinein, der sich dadurch nach aussen wölbt. Deshalb heisst die Zwerchfellatmung auch Bauchatmung. Dadurch ziehst du viel Luft in die Lungen, was bekanntlich gut für dich ist.

Alles, was den Brustkorb und die Organe darin in Bewegung versetzt, führt zu einer besseren Zirkulation, sprich mehr Energie. Treppensteigen, Laufen, Springen oder ein herzlicher Lachanfall helfen dir dabei, die ursprüngliche Beweglichkeit des Brustkorbs wieder herzustellen. Wenn dein Zwerchfell nämlich bei einem Lachanfall ordentlich durchgerüttelt wird, entspannt sich deine Muskulatur, und dein Kreislauf wird richtig in Schwung gebracht.

LERNE WIEDER TIEF IN DEN BAUCH ZU ATMEN

Du kannst die folgende Übung in Rückenlage durchführen. Wenn es dir lieber ist, kannst du sie aber auch im Sitzen oder Stehen ausüben.

  • Lege dich an einen ruhigen Ort bequem auf den Rücken. Versuche, alle Muskeln zu lockern und zu entspannen. Du kannst deine Beine ausstrecken oder locker die Füsse aufstellen.
  • Lege deine Hände auf den Bauch. So kannst du die Bauchbewegung beim Atmen besser spüren.
  • Atme tief durch die Nase ein. Dabei soll sich dein Bauch wölben (aber nicht aktiv herausgestreckt werden), sodass sich die Lungen besser mit Luft füllen. Während der Einatmung langsam bis 4 zählen.
  • Mach eine kurze Pause.
  • Atme langsam durch die Nase aus, sodass sich die Lunge vollständig leert. Auch hier zähle wieder bis 4 und versuche, jede Anspannung zu lösen.

Achte darauf, dass dein Bauch rund und entspannt bleibt und du nur die Luft rauslässt. So bleibt die Energie, die du mit der Atmung aufgenommen hast, in deinem Körper. Stell dir vor, du umarmst die Energie in deinem Bauch, deinem Dantian.

Wiederhole diese Übung 10 bis 15 Minuten. Führe sie einmal morgens nach dem Aufwachen und einmal abends vor dem Schlafengehen durch. Tägliche Wiederholung ist wichtig, so wird das tiefe Atmen schneller zur Gewohnheit.

ATEMTRAINING IST AUF VIELEN EBENEN GUT FÜR DICH

Das Tao Atemtraining ermöglicht uns, inneres Qi zu entwickeln. Zudem unterstützt das tiefere Atmen während des Trainings unsere Gesundheit in vielen Aspekten:

  1. Atemtraining beruhigt und entspannt Körper, Geist und Seele.
  2. Tiefes Atmen unterstützt die Entgiftung deines Körpers. Wir scheiden einen Grossteil der Toxine durch die Atmung aus.
  3. Eine tiefe Atmung unterstützt die Ausschüttung von Endorphinen, die unter anderem die Schmerzempfndung regeln.
  4. Tiefes Atmen gibt dir ein gutes Gefühl. Es fördert die Produktion derjenigen Neurochemikalien im Gehirn, die für Wohlbefnden und Schmerzstillung sorgen.
  5. Mit einer tiefen Atmung unterstützt du eine bessere Körperhaltung. Eine schlechte Körperhaltung ist oft verbunden mit einer falschen Atmung.
  6. Tiefes Atmen stimuliert das Lymphsystem. So wie unser Blutkreislauf durch unser Herz angetrieben wird, wird das Lymphsystem durch unsere Atmung bewegt. Wenn du tief atmest, unterstützt du den Fluss der Lymphe, so dass der Körper effzienter arbeiten kann. Schliesslich haben wir doppelt so viel Lymphe wie Blut in unserem Körper.
  7. Eine tiefe Atmung balanciert das Herzkreislauf-System. Die Atmung ist direkt mit dem Herzkreislauf-System verbunden. Tiefes Atmen erhöht dessen Kapazität, beruhigt die Herzfrequenz und wirkt regulierend auf den Blutdruck.
  8. Atemtraining gibt dir Energie. Luft tiefer in die Lungen zu ziehen, hat einen steigernden Effekt auf den Blutfuss – Das erhöht die Energie und verbessert die Ausdauer.
  9. Tiefes Atmen fördert die Verdauung. Durch die tiefere Atmung erhalten deine Verdauungsorgane mehr Sauerstoff, so können sie effzienter arbeiten.
  10. Atemtraining stärkt die Organe, im Speziellen Lunge und Herz.

LERNE, INNERLICH ZU LÄCHELN

Lerne, mit einer heilenden Absicht und einem positiven Herzen zu üben. Lerne, während des Atemtrainings innerlich zu lächeln. So wird sich der Zustand des Inneren Nährens (Self Nurturing) entwickeln. Wir nennen diese Methode das Heilende Lächeln (Healing Smile).

Wenn du atmest, lächle tief in dich hinein. Verbinde den Atem mit dem Heilenden Lächeln, lass sie eins werden. Fülle deinen gesamten Körper und dein Inneres mit warmer, heilender, liebender und nährender Energie.

Dein Inneres zu nähren, ist ein sehr wichtiger Aspekt im Atemtraining.

Deine innere Einstellung beinflusst die Energie, die du während des Atemtrainings entwickelst.

TRAINIERE DEINEN ATEM

Der Atem ist ein spezieller und sehr wichtiger Schüssel im TaoYoga Arts™ System.

Indem wir unseren Atem trainieren, beleben und entwickeln wir unser inneres Qi – Wir ermöglichen dem Qi, sich kontinuierlich anzureichern und frei in unseren Energiekanälen zu zirkulieren.

Indem wir den Atem begleiten und ihn beobachten, geben wir dem Verstand etwas, dem er folgen und mit dem er sich verbinden kann – Somit können wir langsam in einen Zustand der Stille kommen.

Deinen Atem kannst du überall und zu jeder Zeit trainieren. Du brauchst keine zusätzlichen Hilfsmittel. Schliesslich hast du deinen Atem immer bei dir.

Mit täglicher Wiederholung kann das tiefe und richtige Atmen zum unbewussten Teil deines Alltags werden. Wichtig ist, dass du dich mindestens ein Mal am Tag auf deinen Atem konzentrierst. Bald wird es für deinen Körper zur Gewohnheit, sodass er beginnt, von alleine tiefer zu atmen.

 

Lass mich doch wissen, wie du deinen Atem trainierst.

 

Titelbild: Man standing outside meditating by freepik.com, Beitragsbild: Peaceful woman taking a deep breath by freepik.com